Baha Jamous
Baha Jamous

Chief Marketing Officer (CMO)
Hapimag AG

Frage unitedbase:
Setzt Ihr Unternehmen im Internetzeitalter noch auf „offline“ Marketing- und Vertriebskanäle (Telemarketing, postalisches Marketing, …)?

Antwort Herr Baha Jamous:
Der Großteil unserer Kunden ist bereits im fortgeschrittenen Alter. Und auch wenn wir die Affinität der sogenannten Best Ager nicht unterschätzen dürfen, unterscheidet sich ihr Mediennutzungsverhalten doch sehr von dem der Generation Y bzw. Millennials. Wir kommunizieren daher mit vielen Kunden über postalischen Versand und Telefon. Natürlich ist es unser Ziel, so viele Kunden wie möglich davon zu überzeugen, die digitalen Kanäle zu nutzen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: direkte, schnelle und kostengünstige Kommunikation. Zudem sind bessere Feedback-Möglichkeiten gegeben. Aus meiner Sicht werden „offline“ Marketingkanäle noch einige Jahre hohe Relevanz haben. Unsere Gesellschaft befindet sich momentan im Umbruch. Die durch digitale Medien erzeugte Informationsflut führt dazu, dass die Bereitschaft vieler Menschen, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, gesunken ist. In der öffentlichen Arena kämpfen immer mehr Organisationen um die Aufmerksamkeit des Kunden. Dabei gehen auch wirklich wichtige Informationen verloren. Wir spüren das auch in unserem Unternehmen. Und hier zeigt sich wieder die Relevanz von Telefon, Post oder einem persönlichen Gespräch. Die Erfolgsquote von Marketingmaßnahmen, die über diese Kanäle laufen, ist deutlich höher, wenn auch kostenintensiver. Letztlich ist immer das Ziel entscheidend und daher glaube ich an einen gesunden Mix aus on- und offline Kanälen in den nächsten 5 Jahren.

Frage unitedbase:
Auf welchen Werbekanal können Sie in Ihrem Unternehmen nicht verzichten?

Antwort Herr Baha Jamous:
Die beste Werbung für jedes Produkt sind Empfehlungen bestehender Kunden. Je komplexer ein Produkt ist, desto wichtiger sind positive und authentische Inhalte von zufriedenen Kunden – egal auf welchem Kanal. Fakt ist, dass Menschen heutzutage Werbung weniger Vertrauen schenken und affiner sind für Unternehmensinhalte. Um dieses Potenzial der eigenen Kunden zu heben, muss man um das Unternehmen eine lebendige Community entwickeln, die bereit ist, für Produkte aktiv zu werben. Am besten geht das natürlich online. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren Communitys aufgebaut und der Trend hält an. Eine der größten Herausforderungen neben dem Aufbau ist vor allem die Pflege der Community und Incentivierung. Es braucht guten Content, eine starke emotionale Bindung zum Produkt und attraktive Bonus- bzw. Loyaltyprogramme. Nur dann kann aus einer Gruppe beliebiger Menschen mit gleichem Interesse ein starker Werbekanal werden.

Frage unitedbase:
Welche maßgeblichen Veränderungen sehen Sie in den nächsten Jahren auf den Marketingbereich zukommen?

Antwort Herr Baha Jamous:
Die größte Herausforderung für mich ist die zunehmende Konvergenz von Vertrieb, Marketing und PR. Die Zeiten des klassischen Silodenkens sind vorbei. Mitarbeiter und Manager sind gefordert, ihre eigene Rolle zu hinterfragen und sich ständig neues Wissen anzueignen. Dabei darf man den Kunden nie aus den Augen verlieren. Denn dieser wartet nicht darauf, dass wir uns gefunden haben, sondern ist ungeduldig und anspruchsvoll. Wir haben immer weniger Zeit einen potenziellen Kunden von unserem Produkt zu überzeugen. Und das auf einer Vielzahl von Kanälen. Aus Kommunikationssicht muss Marketing ein Generalist sein und aus Verkaufssicht Spezialist. Eine schwierige Situation, die nur dann erfolgversprechend ist, wenn politische Diskussionen und interne Verantwortungsdebatten keinen Platz haben.

Wir bedanken uns bei Herr Baha Jamous recht herzlich für das Interview.
Berlin, den 13.06.2019

Kategorien: Experteninterviews

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